Am Sonntag 3. Mai fand das Halbmarathon-Rennen des Lakeside Opening auf dem Thunersee statt. Für die 21 km musste die Rundstrecke Strämu, Einigen, Oberhofen, Schadau zweimal zurückgelegt werden. Ihre Eindrücke vom Rennen schildern uns Nathalie Spicher aus Catena und Peter Ferloni aus Visii.
Nathalie Spicher: Schon die Anreise ist knapp getaktet. Vor dem Rennen steht noch eine Sitzung an, und plötzlich wird die Zeit eng. Als wir beim Start ankommen, ist unser 5er-Partnerboot noch nicht da – sie sind die Letzten. Wir – nebst mir sind das Katharina Keller, Mirjam und Marcel Wolf – warten auf sie für den Startschuss, denn sie mussten unterwegs noch jemanden aufladen. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht.
Peter Ferloni: Wir hatten abgemacht, dass mich meine Mannschaft – bestehend aus Markus Fanta, Andreas Sigg, Andreas Frentzer und Markus von Grünigen – vor dem Start beim Strämu auflädt, aber 10 Minuten vorher ist noch kein Boot zu sehen. Nach weiteren fünf Minuten kommen sie dann endlich an! Ich wate durchs Wasser und steige ein.
NS: Schon vor dem Start spüre ich die Nervosität. Mein erstes Rennen als frische Steuerfrau. Immer wieder kreist der Gedanke: Werde ich das Wenden um die Bojen sauber hinbekommen? Ich atme tief durch, versuche, mich auf das zu konzentrieren, was wir im Training geübt haben. Die Abläufe sitzen. Und trotzdem fühlt es sich jetzt anders an.
PF: Noch rasch alles einrichten – Sitzkissen anschnallen, Stemmbrett richten, Schuhe anziehen – während meine Kollegen Richtung Startlinie rudern. Dort angekommen, haben wir gerade noch Zeit, unsere Startposition einzunehmen und schon geht es auch los.
NS: Am Start wird es still. Die Spannung liegt förmlich in der Luft. Dann wird das Startkommando gegeben – und mit einem Mal ist die Nervosität weg. Jetzt zählt nur noch das Rennen. Ich richte das Boot auf die erste Boje aus, halte den Kurs so ruhig und gerade wie möglich.
PF: Wir beschleunigen und rudern die ersten paar hundert Meter mit hoher Kadenz, setzen uns an die Spitze und können nun mit reduzierter Schlagzahl das – zugebenermassen etwas kleine – Teilnehmerfeld kontrollieren.
NS: Die erste Boje wurde auf ein Floss versetzt – ungewohnt, aber eigentlich kein Problem – in der Anfahrt ändert sich nichts. Schon hier fällt auf, dass die anderen Ruderboote schon einiges voraus sind, aber ich schiebe diesen Gedanken weg – wir wollen eine gute Ausfahrt haben und Freude am Rudersport haben.
PF: Bis zur ersten Boje bei Einigen ist der Abstand auf das nächste Boot schon so gross, dass wir uns einen kleinen Patzer Inklusive Stillstand bei der Wende erlauben können. Es folgt die Überquerung des Sees, was uns einen guten Überblick über die Abstände gibt.
NS: Die zweite Boje bei Oberhofen kommt schnell näher. Ich setze die Wende eng an – vielleicht einen Tick zu eng. Für einen Moment sieht es so aus, als würden wir die weiße Boje streifen. Ein kurzer Adrenalinschub – dann sind wir durch.
PF: Natürlich ist uns bewusst, dass wir als einziger Fünfer einen Vorteil haben, aber wir lassen trotzdem nicht nach und bleiben bei einer für unsere Verhältnisse recht zügigen Kadenz. Abgesehen von ein paar Fischerbooten vor der Schadau haben wir den See für uns, wir wenden um die Boje an der Schadau, rudern durch die Startlinie und nehmen die zweite Runde in Angriff.
NS: Richtung dritte Boje vor dem Schloss Schadau läuft es zunächst gut – bis ich sehe, dass Fischer genau auf meiner Ideallinie sitzen. Ich muss kurzfristig den Kurs ändern. Die Wende wird nicht perfekt, aber sie gelingt. Hauptsache, wir verlieren nicht zu viel Zeit. Zurück Richtung Startlinie beginnt die zweite Runde.
PF: Auf der Strecke bis zur Boje bei Einigen habe ich einen Durchhänger, muss mich zusammenreissen, um nicht nachzulassen. Ich bin froh, dass ich mich weder ums Steuern kümmern – diese Aufgabe erledigt Markus von Grünigen mit Bravour – noch den Schlag vorgeben muss. Das übernimmt Markus Fanta und wenn er zwischendurch etwas schneller wird, erinnert Andi Frentzer daran, wieder in den eingespielten Rhythmus zu wechseln.
NS: Diesmal fühlt sich alles kontrollierter an. Die erste Boje ist kein Problem mehr, die Unsicherheit ist verschwunden. Nun brauchen wir alle eine kurze Trinkpause um neue Energie zu schöpfen. Die zweite Wende an der 2. Boje gelingt deutlich sauberer – ich merke, wie ich ein Gefühl für die Abstände bekomme. Aber schon hier bemerken wir: Das Wasser wird voller. Der Verkehr des 18-km-Rennens von Neuhaus nach Thun kreuzt unsere Strecke – ich muss ständig mitdenken, beobachten, reagieren.
PF: Ab der Boje bei Oberhofen bekommen wir Gesellschaft von den Teilnehmern, die von Neuhaus gestartet sind, mit ihren Kajaks, Outrigger und Standups. Wir legen nochmals etwas zu. Nur so schaffen wir es, uns langsam an ihnen vorbei zu bewegen. Eindrücklich, wie schnell und athletisch vor allem die Kajaks unterwegs sind.
NS: Auf Höhe der Hüneggkurve wird es noch einmal richtig eng: SUPs vom Shortdistance-Rennen kommen von der Seite. Es wird knapp. Gemeinsam entscheiden wir, früh zu ziehen, geben mehr Beinschub – und wir schaffen es tatsächlich haarscharf, noch vor ihnen durchzukommen. Kurz vor der Boje beim Schadau wird es dann unübersichtlich. Viele Boote, viel Bewegung. Ich nehme bewusst Tempo raus, um kein Risiko einzugehen. Lieber sauber durchkommen als eine Kollision.
PF: Ab Hünegg erhöhen wir die Schlagzahl, müssen bei der Wende vor der Schadau auch noch auf Standups Rücksicht nehmen, die im Wasser liegen und geben nochmals alles bis ins Zielgelände
NS: Dann der Endspurt. Noch einmal alles geben – Katharina, unsere Schlagfrau, erhöht die Schlagzahl. Die Anspannung der letzten Minuten entlädt sich; jeder Schlag sitzt. Wir fahren ins Ziel – kurz kommt in mir die Sorge auf, einen der Helfer mit zu viel Tempo zu erreichen – Mirjam springt ins Wasser und rennt die letzten Meter über die Ziellinie
PF: Der Speaker feuert uns an, die Zuschauer applaudieren Ich stapfe durchs Wasser und renne lachend durch die Ziellinie.
NS/PF: Wir haben es geschafft!
PS: Und wir gratulieren allen Teilnehmern des SCT ganz herzlich!
