Über die Berge zum Rudergenuss: Vom 25. bis 27. September verbrachten wir ein abwechslungsreiches Wochenende auf dem Ortasee. Zwischen prächtigen Villen und frühnebligen Ufern kamen neben dem Rudern auch die italienische Küche und die Geselligkeit nicht zu kurz – samt Begegnungen mit den Ruderfreunden aus Thalwil.
Das Ruderwochenende auf dem Ortasee versprach Genuss auf jeder Ebene. Bereits am Donnerstag begannen die Vorbereitungen, die von unserem erfahrenen Reiseegruppenleiter Thomas minutiös geplant worden waren. Zwischen dem geschäftigen Treiben am Bootshaus, mit dem Juniorentraining, und dem donnerstagabendlichen Breitensport sowie jeder Menge Spaziergänger, die den frühherbstlichen Abend am Schärzligweg noch genossen, packten wir drei Boote mitsamt reichhaltigem Zubehör auf dem aus Interlaken ausgeborgten und wegversperrend parkierten Anhänger. Dieser wurde dann auf dem Flugplatz Frutigen versorgt, um am Freitag morgen mit Sonnenaufgang Richtung Süden gezogen zu werden. Bei der Reise mit dem Booten auf dem Wagen über den Lötschberg und den Simplopass kam mir die Geschichte von Peter Bichsel in den Sinn („Die Schiffe müssen aber über die Berge, weil nach dem Berg ein See kommt, und er brauchte Männer, die die Schiffe tragen und Schiffe, die die Männer über den See bringen, und Männer, die diese Schiffe tragen, und Wagen für die Kleider der Männer und Schiffe für die Wagen der Kleider der Männer …..“). Nach dem Auf und Ab über die Berge und dem vorsichtigen Geschlängele durch die oberitalienischen Gassen trafen wir bei den örtlichen Ruderclub mit dem wohlklingenden Namen „Cannotieri di Lago di Orta“ ein. Die beiden codierten Zufahrtstore waren schnell geöffnet. Sei es mit Erfahrung (die abgegriffene Zahlentastatur bot Hilfestellung) oder geistiger Schärfe (0000). Bald traf auch die mit weiteren PWs angereiste, restliche Rudermannschaft ein. Die Stärkung an der Buvette des örtlichen Campingplatzes beruhigte das erste Verlangen nach italienischer Küche, berechtigte aber nicht, das Wegerecht für die Abkürzung über dessen Grund zu nutzen. Inzwischen waren auch die Ruderer des Ruderclub Thalwil ZH wieder zurück von ihrer Ausfahrt. Niemand konnte sich wirklich erklären, wie diese Verabredung entstanden war, trotzdem ergab es sich also, dass wir eine gemeinsame Ruderausfahrt und das Nachtessen zusammen verbrachten. Der Eröffnungsrudernachmittag gestaltete sich kooperativ. Während sich die komplett Thuner 5er und 3er auf die Navigation zwischen wellenschlagenden Wakeborder- und Linienschiffen sowie die grandiose Aussicht auf die zahllosen Villen und Kirchen rund um den See machte, komplettierten zwei von uns ein mit Thalwilern gemischt besetzten, italienischen 4er. Da lernt man die fürsorgliche Behandlung des Materials bei uns im Club gleich ganz neu zu schätzen … .
Nach Apéro am See und dem Bezug der Hotelzimmer ging es (vorbei an der beliebten Skipperbar) hinauf in die Berge, wo nicht nur das hervorragende Restaurant gelegen war, sondern auch noch eine Nachzüglerin vom Zug geholt wurde. Wenig später trafen auch die Thalwiler mit grossem Hallo ein und das Personal wurde organisatorisch maximal gefordert. Wechselnde Führungsprinzipien und -persönlichkeiten machten die Runde, bis alle zufriedenstellend bestellt hatten und sich in feinem Vino und lombardischer Küche ergehen konnten. Bei Dessert und Digestiv wechselten einige Personen die Tische und so erfuhr man gegenseitig von Gewohn- und Gepflogenheiten des anderen Clubs, wie z.B. den Wanderruderfahrten des SRVs, die an verschiedenen Orten in der Schweiz durchgeführt werden und jedem Mitglied offenstehen.
Am Samstag ging es dann nach reichhaltigem, für italienische Verhältnisse üppigen Frühstücksbuffet auf die Boote. Am Bootssteg herrsche geschäftiges Treiben zwischen Junioren, lokalen Ruderern, Thalwilern und Thunern. Sehr eindrucksvoll war dabei das Kindertraining mit ganz Kleinen sowohl im Skiff als auch in einem 5er in dem lustig die Ruder in alle Richtungen standen. Während sich drei Marathonruderer auf zu einem Seeumrundung mit anschliessendem Gelato-Bummel machten (ca. 35km), erkundeten die 5er und 2er am Vormittag das nördliche Ende des Sees und am Nachmittag das südliche. Der Apéro am Abend bekam durch die frohe Botschaft von Nachwuchs in der Kopp Familie einen besonders fröhlichen Touch. Giga-Caprese-Portionen und feine Burger rundeten bei aufgehendem Vollmond und einem hochzeitlichen Feuerwerk den gemütlichen Abend ab. Der Sonntag bot noch einer bei Sonnenaufgang startenden 3er Crew spiegelglattes Wasser und frühneblige Uferromantik und für die anderen ein gemütliches Abschlussründli, bevor die Boote wieder in den Anhänger verladen wurden und es zurück über die Berge in die Heimat ging. Vielen Dank an Thomas an die hervorragende Organisation, dem Club für die grosszügige finanzielle Unterstützung, den Cannotieri für die Gastfreundschaft und allen Beteiligten für die gemütliche Kameradschaft.
Für die Orta-Mannschaft: Cyril Peter
